Close

5. Dezember 2017

Warum Komfort und Gesundheit heute Gegensätze sind

Die geschätzte Lesezeit beträgt 7 Minuten.

Gesundheit ist das Fundament, auf dem unser Leben steht. Wir können uns noch so sehr selbst optimieren, vieles in unserem Leben verändern um schneller, höher und weiter zu kommen, sobald wir krank werden, sind wir wieder zurück in der Wirklichkeit.

Damit wir nicht erkranken, sollten wir unser Wohlbefinden und das der anderen Menschen bei unseren Entscheidungen immer miteinbeziehen. Wir sollten unsere Gesundheit ernst nehmen, jedoch nicht zu unserem Mittelpunkt machen (Menschen im Gesundheitsbereich einmal außer Acht gelassen).

In diesem Beitrag geht es um die Gefahren des allgegenwärtigen Komforts. Er ist omnipräsent und kann für unsere Gesundheit zur Gefahr werden. Das Perfide daran ist, dass Komfort rasch für uns normal wird und sich unserer Wahrnehmung entzieht.

In vielen Selbstmanagementratgebern wird Komfort häufig empfohlen oder sogar als Voraussetzung für ein erfolgreiches und glückliches Leben betrachtet. Verschaffe ich mir einen Überblick über jene Prinzipien, fallen mir diese folgenden häufig auf:

  • Geh‘ niemals einen Weg zweimal.
  • Finde und nutze Abkürzungen.
  • Mach nie mehr als nötig.
  • Automatisiere alles, was automatisierbar ist oder wiederholt gemacht werden muss.

Wer all diese Tipps beherzigt und sich ein optimales Selbstmanagement einrichtet, verschwendet keine Zeit mehr und braucht womöglich nur noch einen Kopf, der sich niemals mit der selben Sache zweimal beschäftigen muss. Ganz zu schweigen von Bewegung. Die wird aus dem Alltag einfach wegamputiert.

Die Steinzeit als Ratgeber

Steinzeitmädchen

Beim Nachdenken über unsere Gesundheit ist es oft auch sinnvoll, über das Leben unserer Vorfahren Bescheid zu wissen.

Denken wir einmal in die Vergangenheit zurück: ins Paläolithikum, auch Altsteinzeit genannt. Damals betrieben unsere Ahnen, die sich genetisch kaum von den Menschen heute unterscheiden, das Jagen und Sammeln für ihren Lebensunterhalt.

Wenn eine Gegend nicht genügend Nahrung für die Menschen vorhielt, mussten sie weiter ziehen. Heute geht man davon aus, dass Steinzeitmenschen am Tag ca. 12-18 Kilometer zu Fuß zurücklegten. Dabei verbrauchten sie viel Energie bei der Suche nach Nahrung und mussten entsprechend zügig größere Mengen an Kalorien aufnehmen, um dies auszugleichen. Niemand konnte wissen, wann der nächste Jagderfolg eintrat. Jeder der mal eine Fressorgie erlebt hat, weiß genau, welches genetische Programm da bei ihm ablief.

Heute finden wir unsere Kalorien in Supermarktregalen zu niedrigen Preisen. Für die Energie, die in einem einzelnen Schokoriegel steckt, hätte man damals eine lange und riskante Wanderschaft oder Jagd in Kauf nehmen müssen.

In unserer Zeit stehen wir genau entgegengesetzten Herausforderungen gegenüber als damals. Unsere biologische Grundausstattung ist aber dieselbe geblieben. Statt für notwendige Kalorien aktiv werden zu müssen, muss man heute Sport machen, um überschüssige Kalorien wieder loszuwerden.

Zum Alltag gehören heute zeitsparende Lieferdienste, Supermärkte noch und nöcher und Autos, die uns hinbringen.

Darum hier der erste Anti-Komfort-Tipp für Dich zum selber ausprobieren:

 

Ich mache immer zuerst etwas anstrengendes und ernähre mich dann. Nicht umgekehrt. Konkret: Ich gehe ohne Frühstück aus dem Haus und esse erst etwas, wenn ich gearbeitet habe oder eine lange Strecke zu Fuß oder per Fahrrad zurücklegen musste. Wenn Du nicht an der Tour de France teilnimmst oder im Kohlebergwerk mit Spitzhacke Gänge schlagen musst, kommt Dein Körper nach ein paar Tagen oder Wochen Umstellung wunderbar damit klar.

Mann im Bergbau

Wenn Du einen Knochenjob machst, ist eine Stärkung vorher sinnvoll. Sonst kannst Du getrost auf Frühstück verzichten und es wird Dir trotzdem gut gehen.

Komfort, die unsichtbare Verlockung

Die heutige Lebensumgebung verlangt von uns aber auch noch einen anderen Blick auf das Thema Komfort. Daniel Lieberman, Professor an der Harvard University, hat mich in seinem Buch The Story of the Human Body dazu inspiriert, über die Bequemlichkeit nachzudenken. Er schreibt, dass uns alles, was komfortabel ist, Kalorien einspart.

Ich lag damals auf einer bequemen Liege, in Spanien, im Urlaub. Als ich das las, sprang ich sofort auf, um eine Runde darauf herumzuspazieren. Mir wurde bewusst, warum wir bequeme Stühle, Matratzen, Autositze und Sofas bevorzugen.

Alles was uns komfortabel ist, spart Energie. Wir sind dazu programmiert, Kalorien zu sparen, und bevorzugen darum alles, was Komfort verspricht.

Auch hier wieder eine Zeitreise in die Steinzeit: Wer damals bequemer war, hatte eine größere Chance Nachwuchs zu zeugen, zu überleben und ihn großzuziehen. Damit haben unsere Vorfahren ihren Beitrag zur heutigen Veranlagung zur Faulheit geleistet.

Die alte Überlebensstrategie passt nicht mehr zu unserer heutigen Umwelt. Warum das so ist? Weil wir unsere Umwelt schneller verändern, als wir uns selbst verändern können. Deshalb mein Gesundheitstipp Nummer 2 für Dich:

Vermeide Dinge, die Du komfortabel findest.

Sollst Du jetzt nur noch auf unbequemen Kniebänken in der Kirche platznehmen oder zwickende Unterwäsche tragen? Natürlich nicht!
Unbequem heißt noch lange nicht gesund. Denn wenn etwas nicht ergonomisch ist und schmerzt, könnte das damit zusammenhängen, dass es nicht für unseren Körper gemacht ist.

  • Hinterfrage besser, ob Du in der U-Bahn lieber stehst oder sitzt. Du kommst mit jeder Variante an Dein Ziel.
  • Oder Du kaufst Dir bald eine neue Matratze? Der Verkäufer erzählt Dir von der neuesten, superbequemen Zig-Zonen-Technologie, mit derer Du Dich wie ein toter ins Bett legen kannst um morgens in derselben Position wieder aufzuwachen?
  • Nimmst Du den Fahrstuhl oder die Rolltreppe? Auch für nur an einer Hand abzählbare Etagen?
  • Trägst Du gerne gut gedämpfte Schuhe oder sitzt häufiger auf Stühlen mit einer Rückenlehne als auf Hockern?

Sitzen ist das neue Rauchen

Es gibt unzählige Verlockungen in unserem Alltag. Wenn Du sie entdeckst und Alternativen findest, kannst Du vieles für Deine Gesundheit tun. Ich trage zum Beispiel gerne Schuhe von Leguano oder Vivobarefoot, die nur über dünne Sohlen verfügen, um mich vor Verletzungen zu schützen. Mit diesen Schuhen muss meine Fußmuskulatur, bei jedem Schritt, meinen ganzen Körper stützten und beweglich bleiben.
Moderne Turnschuhe sind deshalb bequem für uns, weil sie die Füße entlasten.

Auch meine Matratze ist eine extra harte Sonderanfertigung. Nachts muss ich mich regelmäßig umdrehen, damit mir nicht die Arme einschlafen und sich meine Wirbelsäule nicht auf Dauer verkrümmt. Genau das macht meinen Rücken aber stärker und verbrennt Kalorien. Das Zimmer kann ruhig etwas kälter sein, da ich durch die Bewegung selbst mehr Energie produziere.

Knöpfe zum Verstellen von einem Autositz.

Selbst beim Verstellen von Autositzen braucht man sich heute nicht mehr anstrengen. Komfort lauert überall.

Autositze! Darin kann man komplett erschlaffen. Die meisten Fahrer stellen ihren Sitz in eine besonders stark nach hinten geneigte Position. Polsterungen links und rechts neben dem Rücken stützen den ganzen Oberkörper in Kurven. Wer findet das nicht bequem? Obendrein bewegt man sich, ohne sich zu bewegen.

Jede Minute in diesem Autositz ist ungesund. Viele Studien weisen regelmäßig darauf hin, dass häufiges Sitzen ein langes und gesundes Leben stärker gefährdet als Rauchen. Dr. James Levine von der Universität in Cambridge sagt sogar: „Sitzen ist das neue Rauchen.“

Statt Essen zu bestellen, koche besser selbst. Geh‘ einkaufen und stelle Dich an den Herd. Geh‘ zu Fuß und nimm nicht immer den Supermarkt um die Ecke, der wenig Qualität bei den Lebensmitteln zu bieten hat. Es wird Dir nicht schaden, wenn Du einen weiten Weg zum Einkaufen zurücklegst und mehr auf die Qualität achtest. Schleppst Du Deine Einkäufe nach Hause, sparst Du nebenbei auch wertvolle Zeit, die Du sonst in Fitnessstudios bei schlechter Luft für viel Geld verlierst.

Und nutzt Du schon diese feinen digitalen Assistenten, die für Dich die Heizung steuern und das Licht ein- und ausschalten? Auch hier schlägt die Komfortfalle zu. Musste man früher noch zum Fernseher gehen um zwischen den drei verfügbaren Programmen zu wechseln oder es lauter zu machen, steuern heute schon viele ihre tausend Programme vom Smartphone aus. Fernsehen überhaupt gehört zu den komfortabelsten Dingen, die die Menschheit hervorgebracht hat. Die meisten, die mir sagen, warum sie fernsehen, geben es sogar zu: Sie schalten ab. Sich selbst.

Es gibt viele Beispiele für Komfort in unserem Alltag. Welche entdeckst Du?

Zusammenfassung

Wenn Du, wie ich auch, Wert auf Deine Gesundheit legst, dann musst Du nicht Dein ganzes Leben umkrempeln. Du kannst viel für Deine Gesundheit tun, wenn Du beim nächsten Möbelkauf hinterfragst, warum Du ein bestimmtes Stück bequemer findest als ein anderes.

Gemütliche Liege

Warum wirken manche Möbelstücke einfach attraktiver als andere? – Weil sie uns helfen Kalorien zu sparen.

Es ist nicht so leicht, im Alltag dem einen oder anderen Komfort aus dem Weg zu gehen.

Meistens bemerken wir Menschen nicht, wo wir es schon komfortabel haben. Wir nehmen Komfort einfach hin und finden ihn normal. In der Steinzeit war das eine gute Überlebensstrategie, heute ist es ein Risikofaktor für Krankheit, Übergewicht und Trägheit.

Und nicht vergessen: zum Selbstmanagement gehört auch die Gesundheit! Es geht nicht nur ums Zeitsparen und um Todo-Listen, sondern um Dich selbst. Wenn Du es schaffst, durch gutes Selbstmanagement Zeit zu gewinnen, kannst Du diese für den ein oder anderen Umweg nutzen, der Deiner Gesundheit zuträglich ist. Denn Komfort lässt sich immer vermeiden.

Weil ich es liebe, Menschen zu inspirieren und weil ich sehr gerne schreibe, war die logische Konsequenz, diesen Blog ins Leben zu rufen. Ich beschäftige mich gerne mit allen Themen, die andere Menschen bewegen und ihnen in ihrem Leben weiterhelfen. Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen und stöbern und wünsche Dir ganze Menge Inspiration.

Bildquellen

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: